Krefelds Haushalt: Die Zahlen hinter der Krise
Ein erwartetes Minus von rund 170 Millionen Euro im Jahr 2025, optimistische Annahmen für 2026 und wachsende Verlustvorträge: Wir zeigen, was im Haushaltsplan steht, wo wir Risiken sehen und welche Konsequenzen jetzt nötig sind.
Video zum Krefelder Haushalt
Mit unserem Fraktionsvorsitzenden Frank Wübbeling und Hauke Finger, finanzpolitischer Sprecher der AfD-Fraktion.
Das Video wird erst nach Ihrem Klick von YouTube geladen.Was ist ein städtischer Haushalt?
Der Haushalt ist der gemeinsame Finanzplan unserer Stadt. Ähnlich wie eine Familie aufschreibt, welches Geld hereinkommt und wofür es ausgegeben wird, plant Krefeld seine jährlichen Einnahmen und Ausgaben.
Auf der Einnahmenseite stehen zum Beispiel Steuern, Gebühren und Zuweisungen von Land und Bund. Bezahlt werden davon etwa Schulen, Straßen, Feuerwehr, Sozialleistungen, Kultur, Verwaltung und vieles mehr. Die Haushaltsplanung ist deshalb die wichtigste politische Entscheidung über die Prioritäten unserer Stadt. Aus unserer Sicht hat die Ratsmehrheit in den vergangenen Jahren falsche Schwerpunkte gesetzt: Steuergeld wurde für teure Prestigeprojekte und ideologisch motivierte Vorhaben verschwendet, während beispielsweise die Innenstadt sowie notwendige Schulbau- und Infrastrukturmaßnahmen vernachlässigt wurden. Bleiben die Ausgaben dauerhaft höher als die Einnahmen, werden Rücklagen aufgezehrt und Verlustvorträge wachsen. Dies endet schlimmstenfalls im Nothaushalt.
Ganz unten haben wir einen kleinen Frage-und-Antwort-Bereich vorbereitet, falls weitere Sachverhalte oder Begriffe unklar sind.
Genau hier liegt das Problem
Krefeld gibt seit Jahren mehr aus, als dauerhaft finanziert werden kann. Wie bei einer Familie, die ihr monatliches Minus immer wieder aus dem Ersparten bezahlt, funktioniert das nur so lange, bis die Rücklagen verbraucht sind. Krefeld hat seinen Haushaltsplan oft schön gerechnet, um mehr Ausgaben tätigen zu können. Bereits 2023 haben wir vor zu optimistischen Planungen gewarnt und konkrete Gegenmaßnahmen vorgeschlagen. Auf dieser Seite zeigen wir Schritt für Schritt, wie groß die Lücke inzwischen ist, warum wir dem neuen Plan nicht trauen und welche Folgen drohen.
Vier Zahlen, die jeder kennen sollte
Diese Kennzahlen zeigen auf einen Blick, warum aus Sicht der AfD-Fraktion sofort gehandelt werden muss.
Vom „ausgeglichenen“ Haushalt zum Rekorddefizit
Ende 2023 wurde der Doppelhaushalt 2024/2025 beraten. Schon damals waren die Prognosen zu optimistisch und es wurde sich darauf verlassen, dass Land und Bund schon irgendwie helfen werden.
2023: Wir warnen und legen konkrete Maßnahmen vor
Bei den Beratungen zum Doppelhaushalt warnten wir vor zu optimistischen Annahmen bei Einnahmen, Personal- und Sozialaufwendungen. Wir forderten sieben Sofortmaßnahmen, darunter eine Beschränkung von Neueinstellungen und die Prüfung jeder Ausgabe.
Bereits im Jahr 2023 warnten wir und forderten Maßnahmen →2025: Die finanzielle Situation verschärft sich massiv
Der ursprüngliche Planansatz lag bei einem Minus von 46,4 Millionen Euro. Inzwischen erwartet die Stadt selbst rund 170 Millionen Euro Defizit. Für uns zeigt diese Abweichung, wie unsicher und zu optimistisch die bisherigen Annahmen waren.
2026: Unrealistische Annahmen verschärfen die Krise weiter
Offiziell wird ein Defizit von 85 Millionen Euro ausgewiesen. Ohne die globale Minderaufwendung von 24,4 Millionen Euro liegt das rechnerische Minus jedoch bei rund 110 Millionen Euro.
2027: Krefeld steuert in die Haushaltssicherung
Nach der aktuellen Planung muss Krefeld 2027 ein Haushaltssicherungskonzept aufstellen. Die AfD-Fraktion warnt: Werden die Defizite erneut unterschätzt, droht danach die noch strengere vorläufige Haushaltsführung (Nothaushalt!).
„Wenn wir nicht in die Haushaltssicherung oder sogar in einen Nothaushalt rutschen wollen, müssen wir jetzt dringend die Notbremse ziehen.“
Dr. Martin Vincentz, damaliger Fraktionsvorsitzender
Warum wir mit mindestens 170 Millionen Euro Defizit rechnen
Die Verwaltung hat bereits 2025 das Defizit massiv unterschätzt und auch der neue Entwurf geht wieder von zahlreichen optimistischen bis Annahmen aus. Natürlich hoffen wir, dass unsere Prognose nicht eintritt. Doch selbst wenn das Minus geringer ausfallen sollte, bewegt sich Krefeld mit hohem Tempo auf den Verbrauch seiner Rücklagen und negatives Eigenkapital zu.
Die Planung lag um mehr als 123 Millionen Euro daneben
Das erwartete Defizit ist damit mehr als dreieinhalbmal so hoch wie ursprünglich geplant. Für uns ist diese Abweichung der deutlichste Beleg, dass die städtischen Prognosen Risiken regelmäßig zu niedrig ansetzen.
Wieso gibt es Mitte 2026 eine Prognose für 2025?
Der Haushaltsplan 2025 war eine Vorausrechnung. Nach Ablauf des Jahres müssen sämtliche tatsächlichen Einnahmen und Ausgaben zusammengeführt, verbucht und für den Jahresabschluss aufbereitet werden. Diese Abschlussarbeiten dauern mehrere Monate. Bis das endgültige Ergebnis feststeht, arbeitet die Stadt deshalb mit aktualisierten Hochrechnungen und vorläufigen Ergebnissen.
Wir halten den neuen Plan erneut für zu optimistisch
Weil Einnahmen und Einsparungen aus unserer Sicht erneut zu günstig angesetzt sind, erwarten wir auch 2026 eine erhebliche Planverfehlung. Jedes zusätzliche Defizit verzehrt die Rücklagen schneller und lässt Krefeld früher in Richtung negatives Eigenkapital und Nothaushalt rutschen.
Personalkosten sollen ohne nachvollziehbare Maßnahmen stark sinken
Der Personal- und Versorgungsaufwand soll gegenüber dem vorläufigen Ergebnis 2025 um 37,8 Millionen Euro sinken. Gleichzeitig sind weder Entlassungen noch ein Stellenabbau dieser Größenordnung beschrieben, während Tarifsteigerungen die Kosten zusätzlich erhöhen. Dieser Ansatz ist nicht die alleinige Grundlage unserer Prognose, aber er zeigt exemplarisch, wie der Entwurf aus unserer Sicht erneut schöngerechnet wird.
Wo der Haushaltsplan schöngerechnet ist
Der Vergleich zeigt, wie weit Plan und Wirklichkeit 2025 auseinanderliegen und warum wir auch dem neuen Planansatz für 2026 nicht vertrauen. Die offiziellen 85 Millionen Euro Defizit werden zusätzlich durch eine pauschale globale Minderaufwendung verbessert.
Geplantes Jahresergebnis
Defizit in Millionen Euro
Rücklage und Verlustvorträge 2029
Planwerte in Millionen Euro
* 2025: Planansatz und neue Prognose laut Stadt Krefeld.
** 2026 rechnerisch: offizieller Planansatz von rund 85 Mio. Euro Defizit zuzüglich 24,4 Mio. Euro globaler Minderaufwendung; gerundet rund 110 Mio. Euro.
Weitere Datengrundlage: Haushaltsplanentwurf 2026 und Auswertung der AfD-Fraktion Krefeld. Mindestens wieder 170 Mio. Euro Defizit sind unsere Prognose.
Dieser Haushaltsplan ist keine Sanierungsstrategie, sondern der Versuch, die katastrophale Finanzlage mit allen legalen Möglichkeiten zu verschleiern. Die Stadt lebt weiter über ihre Verhältnisse – und die Verantwortlichen tun so, als könne man sich aus der Krise herausrechnen.
Wenn Krefeld seine finanzielle Freiheit verliert
Ein Nothaushalt hat zur Folge, dass die Stadt nicht mehr frei gestalten kann, wofür sie ihr Geld ausgibt. Im Wesentlichen sind nur noch rechtlich verpflichtende oder unaufschiebbare Ausgaben zulässig; die Kommunalaufsicht kontrolliert den finanzpolitischen Kurs und die Ausgaben deutlich enger. Es droht ein Teufelskreis aus wachsendem Sanierungsstau, steigenden Kosten und sinkender Lebensqualität.
Defizite und schwindende Rücklagen
Jedes neue Minus verbraucht einen weiteren Teil des finanziellen Puffers.
Haushaltssicherung
Ab 2027 muss Krefeld nach der Planung einen verbindlichen Sanierungsweg vorlegen.
Nothaushalt: Krefeld fährt gegen die Wand
Gelingt kein genehmigungsfähiger Haushalt beziehungsweise kein tragfähiges Haushaltssicherungskonzept und wachsen Defizite sowie Schulden weiter, greift der Nothaushalt, die sogenannte vorläufige Haushaltsführung.
Das spüren am Ende alle Bürger
Neue Investitionen werden verschoben, freiwillige Angebote geraten unter Druck und selbst notwendige Reparaturen konkurrieren um immer weniger Geld. Schulen, Straßen, Sportstätten und öffentliche Gebäude werden nicht sofort geschlossen – aber Sanierungen warten länger, Schäden werden teurer und die Stadt verliert Jahr für Jahr Gestaltungskraft.
Krefeld musste 2013 bereits unter den Bedingungen eines Nothaushalts arbeiten. Die damalige Erfahrung zeigt, wie lange eine Stadt noch unter aufgeschobenen Investitionen und Sanierungsstau leiden kann. Genau deshalb wollen wir nicht erst reagieren, wenn die Kommunalaufsicht die Regeln vorgibt.
- Weniger SpielraumNeue freiwillige Projekte werden kaum noch möglich.
- Mehr SanierungsstauReparaturen und Modernisierungen werden weiter verschoben.
- Höherer DruckGebühren, Steuern und Leistungen geraten in politische Verteilungskämpfe.
- FremdbestimmungDie Kommunalaufsicht kontrolliert den finanzpolitischen Kurs deutlich enger.
Verlustvorträge übersteigen die allgemeine Rücklage
Selbst unter den optimistischen Planannahmen stehen 433 Millionen Euro Verlustvorträge einem Endbestand von 380 Millionen Euro in der allgemeinen Rücklage gegenüber.
Damit übersteigen die aufgelaufenen Verluste die verbleibende allgemeine Rücklage rechnerisch um 53 Millionen Euro. Zugleich sind bereits 200 Millionen Euro angenommene Hilfen von Bund und Land aus einer Altschuldenübernahme eingerechnet. Ohne diese Hilfe wäre die Lücke noch deutlich größer.
Werden die gesetzlichen Schwellen beim Verzehr der allgemeinen Rücklage erreicht, muss ein Haushaltssicherungskonzept aufgestellt werden. Die aktuelle Planung sieht diesen Schritt für 2027 vor. Aus Sicht der AfD-Fraktion droht danach die vorläufige Haushaltsführung – umgangssprachlich Nothaushalt –, falls die tatsächlichen Defizite erneut höher ausfallen und kein genehmigungsfähiger Sanierungsweg gelingt. Weil wir auch für 2026 mit einer erheblichen Fehlkalkulation rechnen, kann dieser Punkt aus unserer Sicht deutlich früher erreicht werden, als die Darstellung bis 2029 vermuten lässt.
Was jetzt passieren muss
Krefeld braucht keine neuen Rechentricks, sondern einen nachvollziehbaren Konsolidierungspfad mit überprüfbaren Maßnahmen und klaren Prioritäten.
Keine Tricksereien beim Haushaltsplan
Schönrechnerei und buchhalterische Tricks verzerren die tatsächliche finanzielle Lage. Der Haushaltsplan muss ehrlich überarbeitet werden.
Verbindliches Einsparprogramm
Jede geplante Einsparung muss mit konkreten Maßnahmen, Zuständigkeiten und Fristen hinterlegt sein.
Vernünftige Prioritäten setzen
Teure Prestigeprojekte oder kostspielige freiwillige Ausgaben, die nur wenigen Krefeldern zugute kommen, müssen kritisch überprüft werden.
Realistische Personal- und Sachkosten
Kostensenkungen dürfen nicht nur als pauschale Annahme im Plan stehen, sondern müssen umsetzbar sein dann auch umgesetzt werden.
Task-Force Bürokratieabbau und Digitalisierung
Genehmigungsverfahren und Prozesse beschleunigen. Routineaufgaben durch KI und Digitalisierung automatisieren, statt Personal aufzublähen.
Effizienz steigern
Interkommunale Zusammenarbeit fördern, um Synergien mit anderen Kommunen zu nutzen und Kosten zu senken.
Sozialkosten begrenzen, Missbrauch bekämpfen
Kommunen entlasten, unangemessen hohe Unterbringungs- und Versorgungskosten senken und Sozialbetrug konsequent verhindern.
2026
Unsere Anträge
Unsere Anträge und Änderungsanträge zum Haushaltsplan werden hier ab dem 24. Juni 2026 mit einer kurzen Erklärung und den vollständigen Dokumenten veröffentlicht.
In VorbereitungDie wichtigsten Begriffe zum Haushalt
Wie entsteht ein städtischer Haushalt?
Was ist der Unterschied zwischen Planansatz, Prognose und Jahresabschluss?
Was ist eine globale Minderaufwendung?
Was bedeutet „strukturelles Defizit“?
Warum sind Verlustvorträge problematisch?
Was kritisiert die AfD-Fraktion am Personalansatz?
Was ist der Unterschied zwischen Haushaltssicherung und Nothaushalt?
Warum ist die Stadt Krefeld in der finanziellen Schieflage?
Die Bürger haben Anspruch auf Ehrlichkeit.
Ein tragfähiger Haushalt beginnt mit realistischen Zahlen. Wir werden weiter nachfragen, Einsparpotenziale benennen und für die finanzielle Handlungsfähigkeit unserer Stadt kämpfen.